Ich nahm heute an der TEDxBerlinMicro/Macro” teil. Großartige Konferenz. Nicht so toll und inspirierend wie die Originale und weltweite TED, aber zumindest live und mit anregenden Diskussion danach.

Zum ersten Mal gibt es die TED-Konferenz in Deutschland als lokale TEDx in Berlin. Die originalen TED-Global-Konferenzen sind extrem informative und gefragte Events, die Abseits von persönlichen oder beruflichen Interessen dem Verbreiten von innovativen und bahnbrechenden Ideen dienen. Eine einfache Teilnahme durch Kartenkauf ist nicht möglich, es werden vielmehr Einladungen an Personen verschickt, wie es auch bei der normalen TED-Konferenz gemacht wird.

Die für mich erste TEDx ist vorbei. Schön war’s. Wie bei den meisten Konferenzen waren die Gespräche mit anderen Teilnehmern abseits des Programms mindestens genauso interessant, wie der offizielle Teil.

Nur ist bei einer TED-Konferenz der offizielle Teil schon deutlich anders, als alle anderen kommerziellen Konferenzen. Wie ich schon im ersten Teil über die TEDxBerlin schrieb, dient die TED nicht kommerziellen Interessen, sondern getreu ihrem Motto den “Ideas worth spreading”. Innovationen und bahnbrechende Neuerungen, welche die Gesellschaft oder das Denken der Teilnehmer nachhaltig verändern können. Bedeutende Ideen.

Es muss nicht immer Technology, Entertainment und Design (TED) sein. Häufig gibt es auch Redner, die über persönliche Erfahrungen und Gefühle reden, die eben nicht trivial, sondern irgendwie besonders sind. Ganz wie bei Social Media wird auch hier persönliches als Relevant angesehen.

Ich fand nicht alle Reden inspirierend, allerdings waren die weniger interessanten keineswegs so uninteressant, als dass ich mich mit anderen Dingen beschäftigt hätte.

Die besonders interessanten TED-Talks

Einige besondere Reden möchte ich hier aus der Masse der interessanten Reden bei TED Global heraus heben:

Jill Bolte Taylor’s “Stroke of Insight”: eine Hirnforscherin, die am eigenen Leib einen Hirnschlag erlebt und diesen während und nach Eintritt wissenschaftlich aus erster Hand erforschen will:

Daniel Goleman’s “Why Aren’t We All Good Samaritans”: Goleman, Autor des Buchs “Emotionale Intelligenz”, spricht über Mitgefühl:

Meine Favoriten vor Ort

Meine Favoriten waren David Logan “On Tribal Leadership”, Pattie Maes “Sixth Sense” und insbesondere Hans Rosling “The Best Stats You’ve Ever Seen”. Interessanter Weise die drei TED Talks, die per Video eingespielt wurden und aus dem Fundus der TED Global Conference stammen.

Hans Rosling erzählt in “The Best Stats You’ve Ever Seen” über extrem interessant visualisierte und vor allem animierte Statistiken, wie sich z.B. Gesundheit, Bildung und Reichtum in der Welt in den letzten 50 Jahren bezogen auf Länder und Kontinente verschoben haben. Aber in einer unglaublich lebhaften, lustigen und mitreißenden Art, dass bei so einem Dozenten Statistik zum Lieblingsfach eines jeden Studenten werden würde. Absolute Empfehlung.

Pattie Maes stellt den sechsten Sinn vor. Im Prinzip ein multi-touch Lichttisch ohne Lichttisch. Das Bild wird durch eine vor der Brust hängende Kamera auf jede Oberfläche projiziert. Bedient wird das Ganze mit den Fingern in der Luft, die per Farbmarkierungen durch die vor der Brust hängende Projektions- bzw. Kameraeinheit erfasst werden.

David Logan erleuchtete uns mit “Tribal Leadership” und stellte sehr plastisch die fünf verschiedenen Stufen der Tribes dar, mit denen eine Klassifizierung von menschlichen Verhaltensweisen und Lebenseinstellungen vorgenommen wird. Eine interessante Einordnung vom Gesellschaftsfeind bis zum Weltveränderer.

Die live gegeben Talks

Fabian Hemmerts Talk über sich bewegende Handys war witzig und ist technisch bestimmt auch richtungsweisend, allerdings möchte ich kein Handy haben, welches seine physikalische Form verändern kann, um veränderte Zustände anzuzeigen. Interessant wird es für mich beim Bedienen von Geräten im Haushalt, des Autos oder ähnlichem, wo ich mechanische Bewegungen ausführe.

Bernard Lietaer sprach über Währungssysteme, die nicht ausgestandene Finanzkrise und die strukturellen Probleme des Finanzsystems, welche er gut illustrieren konnte.

Tim Behnkes Talk “Wie das Internet zur Verbesserung von Lebensbedingungen beiträgt” ist keine Überraschung für Internet-affine Menschen, allerdings war es eine schöne Rede des betterplace-Gründers mit guten Folien.

Wer einer musikalischen Unterbrechung nicht abgeneigt ist, dem kann ich die Darbietung von Benyamin Nuss empfehlen, der zwei Stücke aus dem Videospiel Final Fantasy auf dem Flügel gespielt hat. Speziell das zweite ist wirklich hörenswert und bietet deutlich mehr, als der wenig Videospiel-affine Mensch erwarten würde. Das Potenzial der Soundtracks aus Final Fantasy lässt sich schon daran erkennen, dass 2004 ausgewählte Soundtracks aus Final Fantasy vollorchestriert in einem Konzert von den Los Angeles Philharmonikern aufgeführt wurden.

Es waren wohl etwas mehr als 250 Teilnehmer anwesend. Eine noch übersichtliche Anzahl von Menschen, was dem Ideenaustausch und Netzwerken zu Gute kam.

Zu guter Letzt hat red onion, die Firma, welche die TEDxBerlin 2009 im Rahmen der TED-Richtlinien veranstaltet hat, noch bekannt gegeben, dass es eine TEDxHamburg im Mai 2010 geben wird. Als Hamburger höre ich das natürlich sehr gerne.

Würde ich nochmal hingehen? Definitiv ja!

Im Mai 2010 wird es eine TEDxHamburg geben, welche in meiner Heimatstadt stattfinden wird. Dann muss ich nicht mehr so früh aufstehen, um in eine andere Stadt zu reisen. Großartig!

Update

Die TEDxHamburg 2010 hat stattgefunden. Ich war dort und schrieb einen Artikel darüber: “TEDxHamburg 2010”.