Ich bin ein Social-Media-Fan. Eigentlich. In letzter Zeit aber immer weniger. Warum?

Crossposting killt das Signal-/Rausch-Verhältnis von Social Media.

Sogenannte Social-Media-Experten und -Berater sind der Meinung, je mehr Informationen auf den verschiedensten Plattformen verbreitet werden, desto besser ist die Wahrnehmung der zu verbreiteten Nachrichten. Das war vielleicht 2008 so. Mittlerweile ist aus Social Media ein kaum zu verarbeitender Informations-Brei geworden, der im Halse stecken bleibt und einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Der fruchtbare Social-Media-Boden wird vom Informations-Wasserfall hinweggeschwemmt.

Was ist Crossposting

Crossposting (X-Posting) ist das Übermitteln derselben Information an verschiedene Stellen gleichzeitig. Der Begriff stammt aus dem Usenet (dezentrale, rein textuelle Internetforen, Newsgroup, welche bis in die 1980er Jahre zurück reichen) und wurde dort als eklatante Verletzung der guten Sitten angesehen.

Andere Leute zu zwingen, die gleichen Inhalte in mehreren, thematisch ähnlichen Gruppen mehrmals zu lesen und damit sowohl den Aufwand aller Teilnehmer zu erhöhen wie auch die Diskussion zu fragmentieren, hatte bei andauerndem Crossposten das Blocken der entsprechenden Nutzer zur Folge. Sie wurden ignoriert und Ihre Fragen wurden nicht mehr beantwortet. Crossposter hatten sich selbst als persona non grata etabliert. Dieses Block-Verhalten wird auch in den neueren Browser-basierten Web-Foren gepflegt, wo auf ein solches Verhalten schnell hingewiesen wird.

LinkedIn wird unbenutzbar, wichtige Infos versickern

Ein Beispiel: Ich habe die Netzwerk-Updates bei LinkedIn per RSS-Feed abonniert, um auf dem Laufenden zu bleiben, was sich auf beruflicher Ebene so tut. Wer also seine beruflichen Kontaktdaten ändert, wer eine neue Position inne hat, oder wer die Firma wechselt wurde mir sofort über diese Updates mitgeteilt. Zudem konnte ich sehen, wer an welchen Events teilnimmt. Absolut brauchbare Netzwerk-Informationen bei LinkedIn, welche die wahre Stärke eines business-orientierten Netzwerkes ausmacht.

Das war einmal. Obwohl ich meinen LinkedIn-Account mit ca. 300 Kontakten im Vergleich zu meinem XING-Account sehr stiefmütterlich behandle, bekomme ich pro Tag deutlich mehr als 1000 Status-Updates. Und es sind die gleichen Tweets, die auch schon auf XING, Facebook und (logischer Weise) auf Twitter und anderen Plattformen erschienen sind. Dafür kann ich die wichtigen Updates nicht mehr wahrnehmen, weil sie einfach unter gehen. Um im Kontext des Begriffes Social Media zu bleiben: Dieses Verhalten (Crossposting) ist asozial, stiehlt mir meine Zeit und macht die von mir genutzten Plattformen kaputt.

Leider hat LinkedIn keinen separaten RSS-Feed für durch Aktivitäten auf der Plattform ausgelöste Status-Updates. Über „Manage Updates by Type” lässt sich dieser Wust nur unzureichend eindämmen. Leider Settings, die nicht jeder findet. (=> Settings > Home Page Settings > Network Updates > Manage Updates by Type > Changes to your connections’ status)

Wie geht es besser? Wie poste ich richtig?

Im Prinzip genauso so, wie es diese Experten und Berater Ihren (potentiellen) Kunden immer vorpredigen: immer der Zielgruppe respektive der Plattform angemessen.

Auch wenn es Informationen beruflicher Art sind, wie Links zu interessanten Artikeln anderer, passen diese je nach Plattform meiner Meinung nach nur bedingt. Was passt sind die selbst erzeugten Inhalte. Leider ist es schwierig, selbst eigenen Content zu erzeugen, für den sich auch andere interessieren.

Wenn man schon mit fremden Inhalten glänzen möchte, dann sollte man wenigstens den fremden Link durch eine eigene Einschätzung anreichern. Ansonsten verkommt man zur Linkschleuder, von denen es schon viel zu viele gibt. Social Media ist mehr, als die „persönliche Marke” nach vorne zu bringen.

Was ich mir von Plattform-Betreibern wünsche

Die Möglichkeit, externe Syndizierungen von Inhalten meines Netzwerkes abstellen zu können.