Cem Basman beschreibt in seinem Artikel “Social Media: Des Kaisers neue Kleider.” seine Ansichten und Erfahrungen in Bezug auf die Wirksamkeit (Effektivität) und Leistungsfähigkeit (Effizienz) von Social Media im Bereich Business to Business.

Er ordnet die Effizienz von C2C über F2C (Freelancer to Consumer) zu B2B in absteigender Reihenfolge. Seiner Erfahrung nach spielt Social Media für B2B keine große Rolle. Und zu recht. Wobei er dies durch eine mittelständische Brille betrachtet.

Stärken von Social Media

Social Media stärkt das Individuum. Firmen sind keine Individuen, auch wenn sie nach außen teilweise monolithisch wirken.

Social Media sorgt für Kontakte zwischen Menschen. Zwischenmenschlich eben. Das macht auch für die einzelnen Personen aus verschiedenen Firmen Sinn. Nur ist es eben ein persönlicher Kontakt, auch wenn er beruflich motiviert ist.

Social-Media-Aufmerksamkeitsökonomie

Die Social-Media-Aufmerksamkeitsökonomie ist von persönlichen Interessen getrieben. Lesen und gelesen werden. Besonders aktive Teilnehmer sehen gerne mal auf die öffentlichen Metriken, um sich Genugtuung zu verschaffen. Die Anzahl der Freunde oder “Likes” bei Facebook, die Anzahl der Follower, Retweets oder Mentions bei Twitter. Quasi eine soziale Währung. Aber eine sehr persönliche.

Sehr wichtig sind hier aktuelle News aus dem Freundeskreis. Für Medienschaffende sind es Trends. Schneller sein als die anderen. Medien-Kompetenz durch Wissensvorsprung zeigen. Aber alles an die eigene Person gebunden. Reputations-Management der Ich-Marke. Immerzu und immerdar.

B2B-Ausnahmen

In Branchen wo die Abhängigkeit von Tages-News, Trends und Hip-Sein ein Eckpfeiler des Geschäftsbetrieb darstellt, kommt man nicht umhin, als Firma bzw. durch seine Mitarbeiter Social-Media-aktiv zu sein. Kunden erwarten dies. Hier ist es überaus wichtig, präsent zu sein. Auch rein aus dem eigenen Selbstverständnis heraus.

Aber selbst in der Medienbranche oder Verlagswesen gibt es viele Aufgaben, die deutlich effektiver und effizienter sind, wenn Soziale Medien durch einen Großteil der Mitarbeiter einfach links liegen gelassen werden, damit die anliegenden und wiederkehrenden Arbeiten entsprechend erledigt werden.

B2B-Beziehungen bedürfen wenig Tages-News

Für erfolgreiche und andauernde Geschäftsbeziehungen kommt es mehr auf Verlässlichkeit und Planbarkeit an. Tages-News helfen nicht beim Tagesgeschäft. Und strategische Planungen sind als langfristige Planungen nicht von Tages-News abhängig.

Da Social-Media-Feeds mehr den Moment und das Tagesgeschehen abbilden, ist es kein natürlicher Schulterschluss. Zumal immer eine Rechenschaft in Form von erreichten Zielen abgelegt werden muss. Schließlich sind in der normalen Arbeitszeit Arbeiten zu erledigen, die auch mittelfristig durch Aktivität in den bevorzugten Social-Media-Kanälen nicht vereinfacht oder gefördert wird.

Arbeiten, um zu leben. Leben, um zu arbeiten.

Die Wirtschaft hat viele Facetten. Viele davon erscheinen ausgesprochen langweilig, sorgen aber für hohe Umsätze und Gewinne. Manche Geschäftsmodelle werden nur alle Dekaden mal weiterentwickelt und angepasst. Genauso die Mitarbeiter. Business as usual. Keine Überraschungen.

Die trendgetriebene Medienbranche, wo viele Mitarbeiter ihren Arbeitgebern freiwillig die Hälfte des Gehalts durch exzessive Überstunden schenken, ist hierfür kein Maßstab. Manche Firmen funktionieren einfach und laufen und laufen und laufen. Und deren Mitarbeiter sind zufrieden. Ruhepole sind wichtig. Hier bringt Social Media nichts. Und das ist auch gar nicht schlimm.

Und es geht doch: Enterprise 2.0

Social Media in Form von Activity-Feeds sind ein mächtiger Wissenstransporteur. Unternehmen können sich dies zu Nutzen machen. Allerdings ist es effizienter, dies eher in-house als extern und für alle sichtbar zu betreiben. Die Beteiligung und Integration von Mitarbeitern anderen Firmen in diese Netzwerken kann ähnliche Veränderungen in deren Arbeitswelt erzielen, wie es öffentliche Social-Media-Networks im persönlichen geschafft haben. Allerdings B2B-gerecht. Und immer ganz abhängig von der Unternehmenskultur bzw. deren Mitarbeitern.

Logischerweise eignen sich interne, nicht-öffentliche Konversationen nicht zur Neukunden-Gewinnung. Aber es kann vorhandenes Business stärken, Kommunikation vereinfachen und persönlicher gestalten und die Identität mit der Firma und deren Projekten fördern. Kein schlechter Deal.

(Foto Header: “Conversation” von Sharon Mollerus, cc by-nc 2.0, bestimmte Rechte vorbehalten)